Säure-Basen-Haushalt im menschlichen Organismus

Sauer macht nicht lustig - die Gefahren und Risiken einer latenten Übersäuerung

Sauer macht lustig. Der Volksmund hat sonst immer recht, aber hier liegt er völlig daneben. Vielleicht meint er auch ironisch, dass Sterben lustig ist. Denn sauer heisst sterben. Sauer ist der Tod, nicht der schnelle. Es ist ein Sterben auf Raten. Wir sehen es deutlich an unseren Wäldern, an der Umwelt. Wir sind Teil dieser Umwelt und die Übersäuerung macht vor uns nicht halt.

Mit dem Begriff sauer werden verbinden wir ein saures Gesicht ziehen, weil uns etwas nicht gefällt oder wir spüren ein Brennen im Magen, ein saures Aufstoßen, einen sauren Geschmack im Mund. Aber das ist nur die Spitze eines sauren Eisberges.

Was ist nun sauer? Hier scheiden sich schon die Geister. Die Begriffe werden leicht verwechselt, da die Chemie in der Vergangenheit sauer unterschiedlich definitierte.

Bis 1923 galt die Arrhenius-Theorie, nämlich dass Basen Kationen und Säuren Anionen seien. Es war der erste Versuch, Säuren und Basen auf Grund ihrer chemischen Zusammensetzung zu bestimmen. Es genügte auf die Dauer nicht, festzustellen, ob eine Flüssigkeit sauer oder basisch ist. Genaue Messwerte waren nötig, die Auskunft darüber geben, welche Stärke eine Säure oder Base hat. Die chemische Physik hat das Problem gelöst.

Seit 1923 gilt die Broenstedt-Theorie. Nur die dissozierte Wasserstoff-Ionen = H2 gelten als Träger der Säure. Kurz gesagt:

Säure ist eine Verbindung, die H2-Ionen abgeben kann
Base ist eine Verbindung, die H2-Ionen aufnehmen kann.

Die Konzentration freier Wasserstoff-Ionen bestimmt den Säuregrad einer Lösung und der Basengrad wird von der Hydroxyl-Ionenkonzentration = OH-Ionen .bestimmt.
Im mehrfach destilliertem Wasser liegen diese Ionen im gleichen Verghältnis 1 : 1 vor, es sind also gleichviel Wasserstoff- wie Hydroxyl-Ionen gelöst,

(10-7 pro Liter 107 = 10 Millionen - 10-7 = 1 Zehnmillionstel)

Die Wasserstoff-Ionenkonzentration gibt man mit pH an, das ist: die Kraft des Wasserstoffes. Der pH-Wert reicht von 0 - 14, demnach ist der neutrale Punkt in der Mitte, nämlich 7. Alles was tiefer ist, ist sauer und was höher als 7 ist, ist basisch.
Die Wertfolge ist logarithmisch, d. h. ein Säuregrad von pH 5 ist zehnmal so stark wie pH 6.
Mit Indikatorpapier lässt sich grob der Säuregrad einer Lösung bestimmen. Genauer ist die Messung mit entsprechenden Elektroden.

Messen wir unser Blut, dann stellen wir einen pH-Wert von 7,40 fest. Es ist also deutlich basisch. In unserem Blut haben wir als wichtigstes Puffersystem das Bikarbonat - Puffersystem. Es besteht aus Kohlensäure H2CO3 und Natriumbikarbonat NaHCO3. Das Blut enthält mehrere Puffersysteme, wobei das Bikarbonat mit 35 % und das Hämoglobin mir 35 % die höchsten Anteile haben.
Das saure Endprodukt Kohlendioxyd (CO2) aus dem Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel kann über die Lunge abgeatmet werden. Kohlendioxyd ist ein Gas und damit eine flüchtige Säure. Die nicht flüchtigen oder fixen Säure als Stoffwechselendprodukte verlassen das Blut über die Niere.

Für unser Blut besteht ein normaler physiologischer pH-Wert von 7,40. Nach speziellen Messungen und Errechnung mit Hilfe von Formeln, z. B. dem Massenwirkungsgesetz, entspricht das in etwa einem Verhältnis von:

1 : 20, = 1 Teil Säure (Kohlensäure H2CO3) 20 Teilen Base (Bikarbonat HCO-3).

Massenwirkungsgesetz nach der Henderson-Hasselbalch-Gleichung

pH = pk + log Base : Säure pH und pk = logarithmische Werte

Formel:

pH = pk + log Basen/Säuren

pK = 6,1

B/S = 20

log 20 = 1,3

pH 7,4 = 6,1 + 1,3 = 7,4

Auch auf andere Weise kommt man zum gleichen Ergebnis. Messungen mit dem Blutgasautomaten ergeben das gleiche Verhältnis von Säuren zu Basen mit 1 : 20 und ist in diesem Bereich als base excess bekannt.

In der Medizin spricht man von latenter Azidose oder kompensierter Azidose, wenn die Basenreserve reduziert ist, der pH-Wert des Blutes aber noch im Normbereich liegt. Erst bei einer Dekompensation des Säure-Basen-Haushalts mit einem abweichenden Blut pH-Wert spricht man von dekompensierter Azidose oder Alkalose.

Klinisch bedeutsam sind die respiratorische und metabolische Azidose oder Alkalose, die entstehen bei Hypo- oder Hyperventilation, Koma, Kreislaufschock, Ateminsuffizienz (Lungenemphysem, Asthma bronchiale) Dämpfung des Atemzentrums durch Medikamente, körperliche Leistung, Fieber, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Harn- und Purinstoffwechselstörungen, Fasten um nur einige wichtige Erkrankungen zu nenen. Aber darauf will ich hier nicht weiter eingehen.

Es ist aus den chemischen Gesetzen abzuleiten, dass nicht gleichzeitig in einer Flüssigkeit gleichstarke säure- und basenbindende Valenzen vorhanden sein können, denn sie würden sich gegenseitig aufheben. In der Evolution wurde vorgesorgt, dass die ständig entstehenden sauren Stoffwechselschlacken durch ausreichende Pufferbasen entsorgt werden können. Die Gefahr bestand also immer in einer Säurebelastung und nicht in einer zu hohen Pufferkapazität! Es hat sich nicht als notwendig erwiesen, dass unser Organismus für beide Seiten: Azidose - Alkalose abgesichert werden muss. Eine Absicherung ist immer nur nach einer Seite möglich. Deshalb sind im Blut so hohe Pufferreserven gegen eine Azidose vorhanden

Der pH-Wert ist als einzige Information über den Säurezustand unzureichend. Für die richtige Diagnose ist allein die Pufferkapazität nach dem Massenwirkungsgesetz entscheidend. Die lässt sich nicht mit einfachen Messmethoden, wie dem "Urinschnipsel" feststellen, der hat nämlich nur eine bedingte Aussagekraft.

Unser menschliches Leben spielt sich in einem sehr engen Rahmen ab. Wie vorhin bereits gesagt, hat unser Blut einen pH-Wert von 7,40. Ein Wert von 7,1 ist ein Notfall für die Intensivstation. Es ist eine akute Azidose, die eine sofortige klinische Behandlung erfordert.

Nach oben ist die Begrenzung bei pH 7,8 und wird fast nie erreicht. Das heisst, dass wir im Grunde nie in eine Notfallsituation kommen können, wenn zuviel Basen im Blut vorhanden wären.

Wenn eine Blut pH-Messung 7,4 bis 7,45 ergibt, ist das auch nur ein unzureichendes Ergebnis im Blick auf den SB-Haushalt. Unser Blut muss uns mit allem lebensnotwendigen versorgen und schiebt alles, was es nicht gebrauchen kann in die Depoträume des Bindegewebes oder bringt es zur Ausscheidung.

In der Medizin ist das der extrazelluläre Raum, der den Messungen mit einigem Aufwand zugänglich ist. Das sagt aber überhaupt nichts aus, wie es um den intrazellulären Raum bestellt ist. Erst dann, wenn ich mir die Mühe mache, nach einer normalen Blut-pH-Messung, eine weitere Blutprobe zu zentrifugieren und damit die Zellhülle zerstöre, kann ich auch eine Übersicht über die im Zellinneren deponierte Säure gewinnen.
Wie gelingt die Säure in das Zellinnere?
Kalium ist ein intrazelluläres Kation, das im Zellinneren etwa 30 - 40 mal höher vorkommt als ausserhalb der Zelle. Dieses Konzentrationsgefälle von Kalium in- und ausserhalb der Zelle hat viele wichtige Funktionen. Nur ein Beispiel, es hält das Ruhepotential der Nervenzellen aufrecht.
Im Falle eines Kaliummangels wandern H2-Ionen in die Zelle ein, also saure Valenzen und entziehen sich damit den normalen Messmöglichkeiten.
Kalium kann nicht als einzelnes Elektrolyt eingenommen werden. Es wird nur in Gegenwart von Magnesium vom Darm ausreichend resorbiert. Das folgert, dass Kalium nur mit Magnesium gemeinsam nützt.
Warburg und Seeger haben die Diskussion angeregt, dass die übersäuerte Zelle Ursache für die Entstehung von Krebs sein könnte. Vielleicht ist hier die Ursache, dass die Zelle in ihrem Teilungsverhalten gestört wird und die von der Natur vorgesehenen Reparaturmechanismen ausgetrickst werden. Die Vorgänge sind sehr viel komplizierter und sollten veranlassen für einen geregelten Elektrolyt-Haushalt zu sorgen.
Dieser gehört zu den Elementarfunktionen unseres Organismus, wie:
Sauerstoff-Haushalt - Elektrolyt-Haushalt - Wasser-Haushalt -
Säure-Basen-Haushalt
Das Konzentrationsgefälle zwischen Zelle und Blut in der Übersicht:

Blut hat einen pH-Wert von 7,40 - 7,45

Bindegewebe einen pH-Wert von 7,08 - 7,29

Zelle einen pH-Wert von etwa 6,8

Prof. Schade hat im vorigen Jahrhundert von einem 3-Kammer-System gesprochen.
Die Grenzfläche zwischen Blut und Bindegewebe, das Endothel der Kapillare, stellt eine dialytische Membran dar, die alle gelösten Stoffe hindurch läßt, außer dem Eiweiß. Die andere Grenzfläche zwischen Bindegewebe und Zellen ist eine osmotische Membran.

Prof. Volhard, hat das Bindegewebe als VORNIERE bezeichnet, denn alle harnpflichtigen Stoffe sind vor ihrer Ausscheidung bindegewebs-pflichtig oder vornierenpflichtig. Das Blut kann Stoffwechselschlacken nicht als Depot speichern. Wenn in der Niere zuviel säurehaltigen Schlacken wie z. B. durch falsche Ernährung anfallen, dann verschlackt schön langsam das Bindegewebe. Die Niere kann nur optimal bei einem pH-Wert von 6,8 ausscheiden. Auch in der Niere gibt es ein Puffersystem, um die Ausscheidungsfunktion zu erleichtern und evtl. vor einem zu grossen Basenverlust zu schützen. Das geht aber immer zu Lasten der Schuttmulde, dem Bindegewebe, das sich von seinen Altlasten nicht befreien kann.

Verdauungstrakt

Unser menschlicher Verdauungstrakt ist ein langer Schlauch vom Mund bis zum After, der in seinen verschiedenen Abschnitten wechselweise sauer und basisch ist.

Die Verdauung beginnt bereits im Mund beim Kauen. Der Speichel hat einen pH-Wert von 6,34 bis 7,1, optimal wäre pH 6,9. Nach veralteten Vorstellungen, die immer noch vielfach zu hören sind, soll das Hauptgewicht der Stärkeverdauung in der Mundhöhle liegen. Hier soll das Enzym Ptyalin, eine Amylase, diese Aufgabe erfüllen. Doch das spielt fast keine Rolle. Ptyalin hat nur eine geringe Aktivität und die Verweildauer der Speisen im Mund ist viel zu kurz. Die KH-Verdauung erfolgt somit erst im Dünndarm, wo die Pankreasenzyme wirksam werden.

Doch zuvor gelangt die Speise in den Magen. Dort vermengt sie sich mit dem Magensaft, der den höchsten Säuregrad hat, nämlich pH 1 - 2 und wird durch den Speisebrei auf pH 2 - 4 abgepuffert.

Dieser saure Speisebrei wird in den oberen Teil des Dünndarms, dem Zwölffingerdarm oder medizinisch Duodenum, weiter transportiert. Dort gibt es die Brunnerschen Drüsen und die Eingangsmündungen für Säfte der Galle und des Pankreas. Nur mit Hilfe dieser Stoffe kann der saure Speisebrei von etwa pH 4 auf über pH 7 abgepuffert werden. Kaum jemand hat eine Vorstellung darüber, welche Mengen an basenreichen Säften von diesen Organen hergestellt werden.

Hier eine kleine Übersicht:
Pro Tag werden produziert: 1,5 l Pankreas mit einem pH von 8 und ca. 12 g NaHCO3
1,0 l Galle mit einem pH von 7,5 und ca. 7,5 g NaHCO3
1,0 l Brunnersche Drüsensekret pH 7,5 u.ca. 9 g NaHCO3

Das sind insgesamt: 3,5 l und 30 g Natriumbikarbonat

Das NaHCO3 ist das Natriumbikarbonat, das der Körper nicht selbst herstellen kann. Er muss es aus der Nahrung gewinnen und über einen Kochsalzkreislauf resynthetisieren.

Um diese basenreichen Säfte aufbauen zu können, holen die Organe ihre Grundstoffe aus dem Blut, die zuvor Belegzellen des Magens produzierten.

Die Belegzellen des Magen produzieren die sauren Magensäfte und geben diese in den Magen ab. Bei der Produktion werden durch chemische Spaltung unter Zuhilfenahme des wichtigen Zinks und enzymatischer Beeinflussung gleichzeitig Basen gebildet und zwar 3 x mehr als Säure.
Diese Basen wandern in den Blutkreislauf und werden von basenhungrigen Organen gierig aufgenommen.
Sie können es sich jetzt fast selbst erklären, was geschieht, wenn zu wenig Basen vorhanden sind und der Speisebrei im Zwölffingerdarm nicht ausreichend gepuffert werden kann. Es entstehen schmerzhafte Zwölffingerdarmgeschwüre. Ausserdem ist die nicht basenhaltige Galle steingefährdet.
Eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und Magengeschwüre versucht man oft mit säurehemmenden Mitteln zu behandeln. Es soll die Säurebildung herabgesetzt werden. Diese symptomatische Behandlung berücksichtigt nicht, dass eine Herabsetzung der Säurebildung auch die Bildung von wichtigen Basen verhindert. Deshalb kann hier dauerhaft nur eine ausreichende Pufferung mit Basen ausheilen.
Im Dünndarm kann es bei zu sauren Werten in Verbindung mit Weissmehl und Zucker zur Gärung kommen. Das ist dann eine alkoholsteuerfreie Brennstelle für Fuselalkohole. So läuft manch einer mit einem kleinen Schwips herum ohne Alkohol getrunken zu haben.
Durch die Bewegungsarmut und der langen Verweildauer des Stuhles Im Dickdarm kommt es zur Fäulnis, die Blähungen bilden. Es handelt sich um verschiedene Wasserstoffgase (Schwefel-, Phosphor-, Kohlen-, Chlor-, Stickwasserstoff), die nicht abgelassen, in die Körperflüssigkeiten eintreten und dort mehr oder wenige aggressive Säuren bilden.
Eine Lösung aus Schwefel- und Salpetersäure (=Königswasser) ist sogar in der Lage Gold aufzulösen. Genau diese Lösung kann sich im Körper nach Genuss von gepökeltem Schweinefleisch bilden. Auf der Haut kann der Goldschmuck schwarze Verfärbungen hinterlassen.
Jedes Gasbläschen Schwefelwasserstoff, das in den Körper eindringt wird mit Hilfe eines Kalziumatoms neutralisiert (= Kalziumsulfat). Dabei werden bei diesem Vorgang dem Organismus ständig wichtige Kalzium-Ionen entzogen.
Unter Blähungen leiden schon die Säuglinge und Kleinkinder. Blähungen können sehr schmerzhaft und lästig sein, besonders wenn man sie unter Wahrung des Anstandes verhalten muss. Eine überwiegend sitzende Tätigkeit kann dazu führen, dass es zu einem "Gasbauch kommt", der das Zwerchfell hochdrückt und Atem-, Herz- und Kreislaufbeschwerden verursachen kann. Es kann selbst zu Schilddrüsenfunktionsstörungen und Herzbeschwerden kommen. Roemheld-Syndrom.

Eine der Ursachen ist die zu starke Säurebildung durch fehlerhafte Ernährung, die mehr den Schwerpunkt auf Nahrungs- und nicht auf Lebensmittel legt. Unser Fehlverhalten quittiert der KÖRPER mit Abbau der Basenreserven und den weiteren Folgen, vorzeitige Erschlaffung des Bindegewebes, Thrombosegefahr, Arthrose, vorzeitige Alterung. Leistungseinschränkung, Konzentrationsschwäche ...

Die Neutralisationsvorgänge gehen auch immer zu Lasten des Mineral- oder Elektrolyt-Haushaltes und führt auch zu einem latenten Mangel an lebenswichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen.

Die Operation des Leistenbruches ist neben der Blinddarmoperation wohl die häufigste Operation des Unterbauches, wobei die linke Seite stärker betroffen ist als die rechte Seite. Es scheint, dass der Gasbauch und die Darmträgheit Ursache für die Gewebeschwäche an dieser Stelle sind, wobei ein übersäuertes Gewebe immer bruchanfällig ist.

Bei Karies fehlt dem Körper Kalzium und Fluor. Aber nicht das industrielle Abfallprodukt Fluor, das fast in jeder Zahnpaste zu finden ist. In den Pflanzen Ringelblume, Arnika, Hagebutte zum Beispiel finden sich natürliche Spuren von Fluor, die völlig ausreichend sind.

Wenn unsere Verdauungssäfte hinsichtlich der basischen Qualität schlecht sind, entwickeln sich Schleimhautschäden mit den vielfach bekannten chronischen Erkrankungen, wie chronische Diarrhoe, Colitis, Divertikulose usw.
Die natürliche Darmflora entartet und wird toxisch. Darmpilze, wie Candida albicans, ein Hefepilz, siedeln an und entwickeln selbst wieder Toxine. Nahrungstoxine, Stoffwechselschlacken gelangen immer leichter in den Kreislauf.

Die unterschiedlichen pH.-Werte in den einzelnen Abschnitten des Verdauungstraktes sind für ein gesundes Zusammenspiel unerlässlich. Deshalb registrieren wir Ebbe und Flut im Wechsel von Säuren und Basen. Das hat Dr. Sander schon vor Jahrzehnten genau untersucht und begründet, dass der "Urinschnipsel" für die Diagnose einer latenten Übersäuerung absolut ungeeignet ist. Im Verlauf eines Tages ist der Urin mal sauer und mal basisch. Das ist ein normaler physiologischer Vorgang, der weitgehend auch mit der Nahrungsaufnahme zusammen hängt.

Über den wirklichen Abbau von Säuren oder den Verlust an Basenreserven sagt das nicht genügend aus, da nur mit dem Titrationsverfahren ein Nachweis möglich ist.

Unzählige Tabellen, die eine Übersicht von säure- oder basenbildenden Nahrungs- oder Lebensmittel geben muss leider gesagt werden, dass sie falsch sind. Diese Übersichten basieren auf dem alten Säure-Basen-Verständnis und der Definition nach Kationen und Anionen. Es macht sehr viel mehr Arbeit, die einzelnen Lebensmittel nach ihrem Basen- oder Säuregehalt mit dem Titrationsverfahren zu ermitteln. Nur eine solche Tabelle wäre aussagekräftig. Jedes Lebensmittel muss ein besseres Verhältnis als 1 : 20 haben um basenüberschüssig zu sein und würde damit unseres Basenreserven nicht angreifen. Alkgemeingültig können diese Tabellen schon deshalb nicht sein, weil es unterschiedliche Anbaugebiete mit unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit gibt. Die Pflanze lebt aus dem Boden, auf dem sie gedeiht.

Nicht der pH-Wert gibt ausreichend Auskunft über die Pufferkapazität unseres Organismus, sondern der pk-Wert. Dieser kann nur mit dem etwas aufwendigerem Titrationsverfahren ermittelt werden.

Eine weitere Testmöglichkeit ist die BEV (Bio-Elektronische Funktionsdiagnostik nach Prof. Vincent). Danach werden Blut, Urin und Speichel jeweils nach 3 Kriterien untersucht und durch den PC ausgewertet.

Bindegewebe

Auf das Bindegewebe, ein fast unbeachtetes Organ unseres menschlichen Körpers, möchte ich jetzt noch besonders eingehen. Der schon erwähnte Internist VOLHARD (1872-1950) war ein anerkannter Spezialist für Nierenerkrankungen. Er hat das Zusammenwirken der Niere mit dem Bindegewebe, das er als VORNIERE bezeichnete, erkannt. Aus dem mittleren Keimblatt - Mesoderm - ist das embryonale Bindegewebe entstanden, das MESENCHYM. Das ist wiederum während der embryonalen Entwicklung Grundsubstanz für Binde- und Stützgewebe, auch für Blut und Lymphe.

Es verbindet die Organe und kommt überall im Körper vor. Die Elastizität unseres Gewebes hängt von seiner Beschaffenheit ab. Das geformte Stützgewebe kennen sie als Sehnen, Knorpel und Knochen. Der Umfang des Bindegewebes entspricht in seiner Größe etwa dem 2 -3-fachen der Leber. Das Mesenchym, das ungeformte Bindegewebe, hat entscheidende Funktionen im Stoffwechselgeschehen zu erfüllen.
Es sei nochmals an Prof. Schade (Physiko-chemischer Direktor Universität Kiel) erinnert, der 1935 von einem 3-Kammer-System sprach. (Bild) Diese sind die Organzellen (Parenchym), das Bindegewebe (Mesenchym/Intertsitium), das Blut. Aus dem Blut gelangen über die mittlere Kammer Nährstoffe, Sauerstoff, Wasser und Elektrolyte zu den Zellen. Die Kammern sind durch entsprechende Wände getrennt.
Die eigentlichen Verstoffwechselungen zur Energiegewinnung spielen sich in der Zelle ab. Aber das Bindegewebe als Transitstrecke hat eine regulative Fähigkeit und kann speichern, filtern und puffern. Man bezeichnet es auch als kolloidales Bindegewebe, das ist der embryonale Zustand, also etwa gallertartig. Kolloid kommt aus dem griechischen und heisst Leim. Die Funktion der menschliche Zelle hängt ganz erheblich von der Beschaffenheit dieses Bindegewebes ab, das Prof. Volhard als VORNIERE bezeichnete, wie ich bereits erwähnte.

Die sauren Valenzen aus dem Stoffwechsel, die eine hohe Haftkraft besitzen verweilen hier bis zu einer Möglichkeit der Ausscheidung. Wobei die EW-Anteile des Bindegewebes das vorletzte Glied einer Kette ist, das die H2-Protonen binden kann. Als letztes Glied dieser Kette ist das Skelett anzusehen, das noch eine Bindungsmöglichkeit bietet. Alles sind Fliessvorgänge, die kontrolliert ablaufen.

In der Niere können die harnpflichtigen Substanzen nur bis zu einem pH-Wert von 5,5 ausgeschieden werden. Wenn überwiegend Säure produzierende Nahrungs-mittel zugeführt werden, hat das Bindegewebe keine Chance Altlasten los zu werden. Die kollagenen Fasern sind Säurefänger und Speicher zugleich. Das Bindegewebe ist überall im Organismus vertreten. Wenn eine saures Milieu vorherrscht, versucht der Organismus vor Ort zu puffern. Das Kalzium der Knochen wird herausgelöst und es kommt zur Arthrose, Osteoporose, Frakturanfälligkeit besonders im hohen Alter. Hochbetagte sterben vielfach an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruches.

Das Weichteilrheuma ist eine Erkrankung des Bindegewebes. Da das Bindegewebe überall vorkommt, wandern auch die Schmerzen. Das Wort ist hergeleitet von RHEO = gr. fliessen. Schmerz- und Rheumamittel und physikalische Behandlungen lindern nur in der Regel ohne die Ursache zu bekämpfen.
Die morgendliche Steifigkeit der Fingergelenke, das Anschwellen der Mittelgelenke, die Druckschmerzhaftigkeit sind die ersten Anzeichen für Gelenkentzündungen, Harn-säureablagerungen oder Gicht. Der Gelenkknorpel wird nur über die Gelenkflüssigkeit ernährt, er hat keinen direkten Anschluss an die Blutbahn. Wenn die saure Stoffwechselsituation vorherrscht, dann können Sie sich die Folgen selbst vorstellen. Auch die Arteriosklerose beginnt mit der schlechten Stoffwechsellage im Bindegewebe noch bevor sich Ablagerungen in den Gefässwänden der Arterien bilden

Die roten Blutkörperchen, Erythrozyten, fliessen schlechter in einer sauren Umgebung. Im Kapillargebiet, wo die roten Blutkörperchen sich durchdrängen müssen, kommt es zu einer Erythrozytenstarre, zum Stau und zum Zusammenbacken, der Geldrollenbildung. Das kann man unter einem Labormikroskop sehr gut beobachten.

Die Übersäuerung beginnt bereits bei Klein- und Schulkindern. Entwicklungsstörungen, nervöses Zappeln, Unkonzentriertheit, Unaufmerksamkeit in der Schule lassen sich meist sehr schnell mit richtiger Ernährung und Basenmitteln schnell beheben, vorausgesetzt, es liegen keine anderen organischen Erkrankungen vor. Auch der Jugendliche in der Ausbildung, der Student oder im Arbeitsprozess stehende profitieren von der regelmässigen Auffülung ihrer Basenreserven. Sie erhöhen ihre Leistungsfähigkeit und so manche Trägheit nach einem falschen oder üppigen Essen verschwindet schnell.

Auch der Leistungs- oder Freizeitsportler profitiert von der Vorsorge mit ausreichend Pufferubstanzen. Durch die Muskeltätigkeit gerät er schnell in eine saure Stoffwechsellage mit Ermüdung der Muskulatur, Sehnen, Bänder und Gelenke und erhöht dabei seine Verletzungsgefahr. Immer wieder wird davon berichtet, dass nach einer sportlichen Tätigkeit, der Sportler an einem plötzlichen Herztod stirbt. Das ist mit wenigen Ausnahmen ein Säuretod.

Das Altern geht mit einem Schwund des Bindegewebes einher. Die Haut wird faltig und runzelig. Es fehlt das dynamische Bindegewebe, das zu einem Säuredepot erstarrt und zusammen geschrumpft ist. Die Fliesseigenschaften sind eingeschränkt und das wirkt sich auf die Organe aus, besonders auf die, die bereits geschädigt sind. Sie werden nicht mehr richtig ernährt und die Stoffwechselschlacken bleiben im Körper. Über ein gesundes und vitales Bindegewebe lassen sich die Alterungsvorgänge wesentlich hinausschieben. Alle Einnahmen von Vitaminen, Mineralien, teure Revitalisierungskuren, Faltenbehandlungen und was es sonst noch auf dem weiten Markt der Geriatrika gibt sind mehr oder weniger wertlos, wenn nicht die Grundfunktionen erhalten und unterstützt werden.

Der Säure-Basen-Haushalt und das Säure-Basen-Gleichgewicht sind die Voraussetzung für Gesundheit und ein langes Leben. Bei allen chronischen Erkrankungen und vorzeitigen Alterungsprozessen muss ein individuelles auf den eigenen Organismus abgestelltes Programm erstellt werden. Es verspricht keine Wunder, aber mehr Lebensqualität und Lebensfreude. Das saure Milieu wird basisch und das Gesicht lacht wieder.

Ergänzende Hinweise auf:

Elektrolyt-Haushalt

Sauerstoff-Haushalt

Wasser-Haushalt

Kochsalzkreislauf

RMS (rechtsdrehende Milchsäure)

 

Weitere Informationen zum Thema Säure-Basen-Haushalt:

• Allgemeines

• Sport und Säure

• Diagnose