

Phytotherapie
Pflanzenheilkunde
Die Phytotherapie ist eine Therapie zur
Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten
durch Pflanzen und deren Auszüge. Bis in die
Anfänge der Menschheit reichen die Wurzeln der
Pflanzenheilkunde zurück. Jede Kultur hat auf der Basis ihrer
vorhandenen Pflanzenumwelt eine eigene Volksmedizin entwickelt, die von Priestern
und Heilern mündlich und später schriftlich weitergereicht wurden.
Aus der Mystik ist sie im Verlauf von Jahrtausenden herausgetreten und hat die
gewonnenen Erfahrungen mit bestimmten Pflanzen, Pflanzenteilen oder Pflanzenextrakte
bei bestimmten Erkrankungen und Befindungsstörungen gezielt angewendet.
Eine unbegrenzte Fülle an Erfahrungen mit heilkräftigen Wirkstoffen der Pflanzen zeigen:
- die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit einer
über 5000-jährigen Geschichte,
- Tibetische Medizin,
- Indische (Atharva Veda), Babylonische oder Ägyptische Medizin,
- die Tradition der afrikanischen, arabischen oder indianischen Medizin
- unsere eigene europäische Geschichte mit einheimischen Heilmittelpflanzen.
In zahlreichen Kräuterbüchern wurde das Wissen über die Heilkräuter
und ihre Wirkungen schon aus der frühen Kulturgeschichte der Menschheit
festgehalten. Das klassische Werk der Medizin (1.600 v. Chr.) aus der Zeit des
Gelben Kaisers von China. die Papyrusrollen der alten Ägypter, die Schriften
von Hippokrates, Galenos, Hildegard von Bingen, Lonicerus, Paracelsus sind nur
einige Beispiele dafür.
Aus der Kräuterheilkunde wurde die Phytotherapie, die von dem französischen
Arzt Leclerc mit seiner Schrift
"Précis des Phytothérapie" in die Wissenschaft eingeführt
wurde.
In unserer heutigen Zeit der modernen Medizin haben Patienten
immer mehr Vorbehalte gegen sogenannte allopathische Heilmittel, da sie deren
oft erheblichen Nebenwirkungen nicht unbedingt akzeptieren wollen. Dagegen vertraut
man mehr den pflanzlichen Heilmitteln, die bei richtigem Einsatz ihre biologische
Wirksamkeit bewiesen haben.
In der Pharmakologie und Medizin ist man darum bemüht, die Wirksubstanzen
zu isolieren, zu analysieren und ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus
zu erforschen. Nach dem Arzneimittelgesetz AMG müssen sie die Anforderungen
nach Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit erfüllen. Beispiele
sind:
- Digitalispräparate, die aus dem Fingerhut (Digitalis purpurea) gewonnen
werden,
- Weissdornprodukte (Crataegus) zur Herzstärkung,
- Gingko biloba für bessere Durchblutung,
- Baldrian und Hopfen zur Beruhigung,
- Mistel (Viscum album)
- Echinacea purpurea oder Echinacea angustifolia als Reiztherapeutikas usw.
Die Reihe lässt sich fortsetzen, da für alle Organsysteme und Funktionskreise
phytotherapeutische Mittel verfügbar und im Sinne des AMG dokumentiert
und damit verschreibungsfähig sind. Die Phytotherapeutika haben sich auch
auf dem streng kontrollierten Arzneimittelmarkt der USA durchgesetzt.
Die WHO hat alle Staaten aufgefordert, alte Traditionen festzuhalten und zu
pflegen.
In der Bevölkerung ist ein breites Basiswissen über
die Pflanzenheilkunde vorhanden. Viele Kräuter und Gewürze werden
im heimischen Garten selbst gezogen oder in der freien Natur gesammelt. Das
Suchen, Pflücken, Sammeln und Verwerten der Pflanzen ist schon Bestandteil
einer Therapie. Die Pflanzen werden als Tee, Kompresse oder als Tinktur verwendet.
Dabei kommen im Gegensatz zu der pharmakologisch genutzten Einzelsubstanz die
gesamten Wirkstoffe der Pflanze zum Einsatz. Es hat sich gezeigt, dass die Fülle
der Einzelbestandteile der Pflanze die hauptsächliche Wirksubstanz unterstützen
und sogar Nebenwirkungen vermeiden helfen, die möglicherweise eine Einzelsubstanz
in bestimmter Dosis aufweist.
Zahlreiche mittlere und kleinere Arzneimittelhersteller versuchen mit erheblichem
finanziellen Aufwand, das Wissen um die Heilwirkung von den Wirkstoffen der
gesamten Pflanze in ihren Komplex- und Einzelmitteln zu erhalten und zu verteidigen.
Das ist nicht leicht gegenüber den staatlich-bürokratischen Interessen
und Interessengruppen und geht leider nicht ohne Kompromisse.
- wird fortgesetzt -